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Deutsche Reichshühner

Steckbrief

  • Herkunftsland: Deutschland
  • Farbschläge: weiß, schwarz, rot, silber-schwarzgesäumt, gold-schwarzgesäumt, weißschwarz-columbia, gelbschwarz-columbia, gestreift, birkenfarbig
  • Eigenschaften: robust, zutraulich, ruhig, frohwüchsig, Winterleger
  • Gewicht Henne: 2,0-2,5kg
  • Gewicht Hahn: 2,5-3,5 kg
  • Legeleistung: ca. 180 Eier/Jahr
  • Eiergewicht: ca. 55 g
  • Eierschalenfarbe: rahmfarben bis gelb
  • Zwergform vorhanden: ja

Haltung

Verhalten

Ein widerstandsfähiges und wirtschaftliches Nationalhuhn zu erzüchten – das war das große Ziel im 19. Jahrhundert, das mit dem Deutschen Reichshuhn verwirklicht wurde. Interessanterweise wurde bei der Züchtung auf keine einzige deutschstämmige Rasse zurückgegriffen. Vielmehr fanden asiatische und italienische Rassen Eingang in die neue Züchtung. Deutsche Reichshühner sind robuste und wetterharte Tiere. Trotz der Mittelmeer-Einflüsse sind sie nicht distanziert oder unruhig. Stattdessen erfreuen sie die Halter*innen mit einem ruhigen Verhalten und gelten als friedlich untereinander.

Außerdem können Deutsche Reichshühner rasch Vertrauen zu ihren Besitzer*innen fassen und werden bei ausreichend Beschäftigung recht zahm. Mit ihrem angenehmen Charakter und den geringen Haltungsansprüchen ist die Rasse auch bei Familien mit Kindern beliebt. Diese leistungsfähigen Zweinutzungshühner sind heute leider selten geworden und gelten als gefährdet.

Platzbedarf und Gestaltung des Auslaufs

Deutsche Reichshühner stellen im Vergleich zu anderen Rassen allgemein recht wenig besondere Ansprüche an ihre Haltung. So gestaltet sich die Haltung in der Regel unkompliziert. Wichtig ist, dass die Hühner neben einem wettergeschützten Stall auch viel Auslauf benötigen. Stehen ihnen ausreichend große Freiflächen zur Verfügung, sind Deutsche Reichshühner ständig in Bewegung. Zudem lassen sich die Tiere dieser Rasse als emsige Futtersucher beschreiben. Geeignet ist die Haltung der Deutschen Reichshühner für Besitzer*innen mit umfangreichen Flächen, auf denen sich die Tiere idealerweise frei bewegen dürfen.

Das Deutsche Reichshuhn zeigt keine besonders ausgeprägte Flugfähigkeit. Zwar legen die lebendigen Tiere auf dem Boden gerne große Strecken zurück, in die Luft wagen sie sich aber kaum. Daher reicht eine Höhe der Umzäunung von etwa 1,2 bis 1,3 Metern aus, um die Reichshühner in ihrem Gehege zu behalten. Raue Witterungsverhältnisse machen der Rasse wenig aus. Auch in der kalten Jahreszeit verbringen die Hühner Zeit im Freilauf und erfreuen die Halter*innen auch im Winter mit Eiern.

Futter

Deutsche Zwerg-Reichshühner im Freilauf (Foto: Andreas Wagner)

Wie auch an die Haltung stellen Deutsche Reichshühner wenig Ansprüche an ihr Futter. So gestaltet sich die Wahl des Futters nicht anders als bei anderen Hühnerrassen. Reichshühner gehen gerne eigenständig im Auslauf auf Nahrungssuche. Wenn ausreichend Nahrungsquellen im Gehege zur Verfügung stehen, müssen Halter*innen nur wenig zufüttern. Dies trägt zur besonderen Wirtschaftlichkeit der Rasse bei.

Wirtschaftlichkeit und Legeleistung

Das Deutsche Reichshuhn gilt als einfach zu haltende Zweinutzungsrasse. Neben der guten Legeleistung schätzen Halter*innen die Fleischqualität und die Mastfähigkeit dieser Tiere. Im ersten Legejahr ist mit durchschnittlich 180 Eiern zu rechnen, wobei einige Hennen bis zu 200 Eier schaffen können. Im zweiten Legejahr sinkt die Eierzahl auf ungefähr 140 Stück ab. Die Eier haben eine rahm- bis cremefarbene Schalenfarbe und ein Gewicht von mindestens 55 Gramm. Beliebt sind Deutsche Reichshühner auch, weil sie Winterleger sind: Die Besitzer*innen können auch in der kalten Jahreszeit mit frischen Eiern rechnen. Doch auch in der Fleischproduktion findet die Rasse Einsatz. So legen die Tiere schnell an Gewicht zu und gelten als leicht zu mästen. Das weiße Fleisch soll besonders fein und wohlschmeckend sein.

Küken

Deutsche Reichshuhn-Hennen haben ihren Bruttrieb fast vollständig verloren. Nur äußerst selten gelingt daher eine natürliche Brut und Aufzucht. Wer Nachwuchs wünscht, sollte daher besser auf Kunstbrut zurückgreifen. Das Ausbrüten der Eier mittels Brutapparat oder Leihhenne funktioniert in der Regel recht unproblematisch. Nach dem Schlupf sind die Küken rasch aktiv und frohwüchsig. Um ein gesundes Wachstum zu fördern, sollten die Kleinen die erste Zeit in einem gut geschützten und warmen Raum mit Wärmelampe verbringen. Damit sie sich schnell entwickeln, sollte auf hochwertiges Kükenfutter zurückgegriffen werden.

Aussehen und Farbschläge

Deutsche Zwerg-Reichshühner Hahn und Hennen (Foto: Andreas Wagner)

Ursprünglich wurden Deutsche Reichshühner nur in weißen und hellen Farben gezüchtet. Heute gilt jedoch eine Vielfalt verschiedener Farbschläge in Deutschland als anerkannt:

  • weiß
  • schwarz
  • rot
  • silber-schwarzgesäumt
  • gold-schwarzgesäumt
  • weißschwarz-columbia
  • gelbschwarz-columbia
  • gestreift
  • birkenfarbig

Der Körperbau der Deutschen Reichshühner entspricht dem sogenannten Backsteintypus. Dennoch wirken die Tiere stolz und elegant. Die Rückenlinie verläuft waagrecht bis hin zum leicht aufrecht und geschlossen getragenen Schwanz. Zudem liegen die Flügel der Tiere eng am Körper an. Charakteristisch ist außerdem der recht kleine Kopf, auf dem ein Rosenkamm zu finden ist. Dieser weist eine intensive rote Färbung auf, ist gewölbt und fein geperlt. Der Kammdorn soll der Nackenlinie folgen. Ebenfalls rot erscheint das unbefiederte Gesicht der Deutschen Reichshühner. Wie auch der Kamm sind die Kehl- und Ohrlappen mittelgroß. Besonders ist auch der lebendige Ausdruck in den orange- bis rotgefärbten Augen. Ausschließlich beim birkenfarbigen Schlag finden sich braune Augen. Die kräftigen, unbefiederten Läufe sowie der robuste Schnabel sind hell.

Herkunft

Wie bereits erwähnt, entstand die Rasse der Deutschen Reichshühner im 19. Jahrhundert. Ziel war die Erzüchtung einer sehr leistungsfähigen Rasse, die zudem als Nationalhuhn bekannt werden sollte. Unter Otto von Bismarck entstand unter vielen Deutschen das Gefühl einer neuen Freiheit und eines neuen Nationalstolzes. Die Entwicklung dieser Hühnerrasse war also eng mit den gesellschaftlichen Wünschen und Bedürfnissen in ihrer Entstehungszeit verbunden. Paradoxerweise setzten die Züchter*innen nicht etwa auf alte deutsche Landhuhnrassen. Stattdessen wurden asiatische Rassen wie Sussex, Orpington oder Brahma eingesetzt. Auch Rassen aus dem Mittelmeerraum wie Italiener oder Minorka spielten eine Rolle.

Im Jahr 1907 erhielt die neue Rasse ihren Namen „Deutsches Reichshuhn“. Heutzutage ist sie leider sehr selten geworden. So findet sich das Deutsche Reichshuhn auf der Liste gefährdeter Nutztierrassen. Besonders der weiße Farbschlag gilt als bedroht. Nur dank engagierter Züchter*innen haben die faszinierenden Deutschen Reichshühner bis heute überlebt. Hoffentlich finden viele angehende Halter*innen Gefallen an der leistungsfähigen und ruhigen Zweinutzungsrasse und tragen so zum Erhalt des Reichshuhns bei.

Züchter*innen

Sonderverein der Züchter deutscher Reichshühner und deutscher Zwergreichshühner: http://www.reichshuhn.de/blog/

Zwerg-Reichshühner:
Andreas Wagner
Berliner Str. 24
35216 Biedenkopf – Wallau
Tel.: 06461/88791
andibine@web.de

Von Sophie

Hallo! Mein Name ist Sophie und ich bin Studentin in Wien. Wenn ich nicht gerade lese oder Texte schreibe, verbringe ich am liebsten Zeit mit Tieren und in der Natur. Warum also nicht diese beiden Hobbys verbinden? Genau das tue ich hiermit. Hier kann ich meine Gedanken über artgerechte Tierhaltung weitergeben, die mir sehr am Herzen liegt. Schon als kleines Kind und während meiner Schulzeit trat ich für die Rechte von Tieren ein. Meine Abschlussarbeit in der Schule schrieb ich über Tierethik und seit vielen Jahren kommt kein Fleisch auf meinen Teller. Ich bin stolze Besitzerin von zwei aufgeweckten Zwergkaninchen und hoffe, bald endlich auch Hühner im eigenen Garten halten zu können – bis dahin teile ich hier meine Begeisterung für diese faszinierenden Tiere.